JazzHausRadio Kiel

 

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JazzHausRadio Kiel

 

Der erste Geburtstag:

 

Die Kieler Nachrichten berichteten am 17.9.2003:

 

Das JazzHausRadio im Offenen Kanal Kiel feiert seinen ersten Geburtstag

  Die Idee zum JazzHausRadio im Offenen Kanal Kiel hatte Ralf Böcker.

 

Dienstag, 18 Uhr, Frequenz 101,2 – die "On Air"-Lampe über dem voll-digitalen Mischpult im Mini-Studio des Offenen Kanals Kiel blinkt auf, Bernd Mukian moderiert die Jubiläumssendung des JazzHausRadios an. Ein Überblick über ein Jahr Radio im Dienste des Jazz fliegt heute durch den Äther. Am 20. August 2002 ging JazzHausRadio erstmals auf Sendung, als eine der ersten regelmäßigen Sendungen im vor etwas mehr als einem Jahr gegründeten OKK-Radio, mit dem der Offene Kanal, eine Einrichtung der ULR, sein Bürgerfunk-Angebot um ein Radioprogramm ergänzte. Seither, immer dienstags von 18 bis 20 Uhr, bietet ein mehr als zehnköpfiges Redaktions-Team aus Kieler Jazzmusikern und -fans, Plattensammlern und Szenekennern – alle in rein ehrenamtlicher Arbeit – dem Kieler Jazz (und darüber hinaus) ein radiophones Forum .

Die Idee zum JazzHausRadio hatte Ralf Böcker. Gerade aus Göttingen übersiedelt, hatte der Saxofonist (u.a. bei Cannonball J.) im dortigen Offenen Kanal drei Jahre lang eine Sendung mit gleichem Titel gemacht. Frisch in der Fördestadt, fand er sogleich Mitstreiter – den Saxofonisten Jens Tolksdorf und Lutz Lück, ehemals Betreiber der Tanzdiele, künftig des Nachtcafés. Die Kieler Jazzszene erlebte gerade eine kleine Hausse, und so waren in Kürze weitere Mitstreiter im Boot, die inzwischen vier regelmäßige Reihen im wöchentlichen Wechsel gestalten (jeweils ab 19.30 Uhr). Martin Moldenhauers "Gestatten, alte Platten" wühlt nach Jazzigem im Schelllackplattenschrank, Kay Franzen steuert Raritäten "Aus dem Plattenarchiv" bei, Lutz Lück widmet sich dem Jazz "Im Rhythmus der Freude", und Bernd Mukian dekliniert die "Sounds von Albert Ayler bis John Zorn".

"Die Teambildung war super erfolgreich", resümiert Ralf das erste Jahr, "inhaltlich haben wir alles drin." Und das ist auch das Credo des JazzHausRadios: "Es wird alles gesendet, von Oldtime New Orleans bis Free." Im Kernthema jeder Sendung (18.30 bis 19.30 Uhr) widmet man sich neben Bandporträts Features wie "Jazz & Essen" oder Reportagen von aktuellen Konzertereignissen von JazzBaltica bis Jazzband Ball im Schloss. Als Außenreporter fühlt dafür Arvid Spiekermann der Stadt den Jazz-Puls. Mit Hans-Helmut Jöhnk konnte man ferner einen intimen Kenner der Kieler Jazzgeschichte gewinnen. In Zukunft will das Radio weiter die Kieler Jazz-Szene vernetzen und "Gräben zuschütten", denn dass zum Beispiel "zwischen Dixie und Modern die Kluft in der Kieler Jazzgemeinde noch recht groß ist", findet Ralf "mehr als schade".

Auch mitmachen kann man beim JazzHausRadio – als Hörer im Quiz, mit dem jede Sendung beginnt. Thorsten Hingst aus der Plattenabteilung von "Hört-sich-gut-an" – "unser Mini-Sponsor", freut sich Ralf – stellt jede Woche eine Jazz-CD als Quizgewinn vor. Wer nicht nur hören, sondern auch mitsenden will, ist ebenso willkommen (Kontakt über das Studiotelefon 0431/6400431 oder über die Website des JazzHausRadios: www.magenta.delta-mood.de).

Die Jubiläumssendung läuft, und Ralf Böcker sitzt immer noch plaudernd am Interviewtisch. Muss er nicht zurück ins Studio? "Das läuft von selbst", lobt er das Team, das die Sendung auch im Ein-Mann-Betrieb souverän "fährt". Lediglich bei der Premiere gab es eine Tonpanne. So ist das JazzHausRadio eine Erfolgsgeschichte und ein echter Gewinn für Kieler Jazzer und ihre Fans. Trotzdem will Böcker "den Ball flach halten". Seine Befürchtung: So schnell wie der Jazz in Kiel ein breiteres als bloß Fachpublikum fand, könnte auch "eine Übersättigung" eintreten.

Gewiss nicht durch das JazzHausRadio mit seinen nicht nur kurzweiligen, sondern auch bildenden Beiträgen. Vielleicht wird Jazz in Kiel dadurch sogar wieder das, was er in den 50er und 60er Jahren einmal war – Popmusik.


Jubiläumssession heute, 21 Uhr, im Luna. Mit einem Grußwort von Kulturdezernent Heinz Rethage, einer Talkrunde u.a. mit Arvid Maltzahn (Landesmusikrat), Peter Weise (Jazzmusiker) und Ute Pioch (Jazzclub Kiel), einem Jazz-Quiz mit Lutz Lück sowie Kurzauftritten der Combos SaxS, Jazz House und Schauspielhaus-Session-Band (feat. Stefan v. Dobrzynski)

Von Jörg Meyer

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Kieler Nachrichten vom 19.9.2003

 

 

Das JazzHausRadio des Offenen Kanals Kiel feierte im Luna

  Jazz zum Genießen: Jens Tolksdorf (links) und Stefan Seidel.

 

Kulturdezernent Dr. Heinz Rethage und den Jazz in Kiel verbindet etwas. Beide wären ohne ihre Helfer nichts in dieser Nacht. Während sich der Kulturdezernent durch seine Notizen hangelt und dem hiesigen Jazz den Hof macht, braucht der Musikstil genau diese Veranstaltung im Luna Club, um sich in Kiel zu behaupten.

Das JazzHausRadio des Offenen Kanal Kiels feiert sein Einjähriges und so eine Feier reicht bekanntlich immer, um den Erstkontakt zu erleichtern. Doch zwischen Live- und Konservenmusik, zwischen Faktenabfrage in der Diskussionsrunde und Quizz bestimmen doch die üblichen Verdächtigen der Kieler Jazzsympathisanten die Szenerie. Auch wenn Schlagzeuger Peter Weise von einem "Jazzboom, ähnlich wie vor zehn Jahren" spricht, beschleicht einen das Gefühl, dass ein Aufblühen dieses Stils schon reichen würde. Die Musiker sind gut genug, das beweisen die Sessions und Konzerte von Sax-S und JazzHouse, die Rahmenbedingungen stimmen mit dem Luna Club als einem der wenigen ernstzunehmenden mondänen Nachtclubs der Stadt und auch die Besetzung der Diskussionsrunde wartet mit Amts-schwerem Personal auf.

Trotzdem zündet es irgendwie nicht so recht. Mancher mag sich auf die Diskussionsrunde gefreut haben, denn mit Arvid Maltzahn vom Landesmusikrat, Peter Weise (Musiker), Ute Pioch (Jazzclub Kiel), Jörg Meyer (KN-Kulturkritiker), Lothar Bock (Veranstalter des Kulturrausches), Thorsten Hingst (CD-Laden "Hört-sich-gut-an") und Günter Hoppe als Musikveranstalter vom Kulturamt Kiel waren dort Macher auf allen Seiten, doch dieser halbstündige Programmpunkt war weniger Debatte als ein Aneinanderreihung von bekannten Fragen und noch bekannteren Antworten. "Es gibt den Nachwuchs", "Der Nachwuchs wird gefördert", "es gibt gute Jazz-Veranstaltungen in Kiel, besonders im Vergleich zu anderen Städten" und "das Budget ist knapp und jeder gäbe gern mehr, wenn es nur mehr zu vergeben gäbe." Und wenn man ehrlich ist, hat es der Jazz auch nicht verdient, über ihn zu reden, als sei der ein ästhetischer Pflegefall. Jazz ist zum Genießen da, genau wie diese Nacht. Also konzentriert man sich auf das, was der Jazz am besten kann. Musik, von Mainstream-Swing bis Bossagrooves, tanzbar, cool und so jung und wild, wie es mancher eben erst noch erfahren muss. Berührungsängste abzubauen hat viel damit zu tun, erst einmal in Berührung zu kommen. Daran krankt es in Kiel ein wenig, das zeigt leider auch diese inhaltlich gelungene Party im Luna Club. Doch daraus eine Krise des Jazz zu machen, ist doch zu viel. Es ist die Krise dieser Stadt, in der zu viele Angebote schleierhafter Weise ungenutzt bleiben. Von Manuel Weber


 

 

Das Grußwort des Kulturdezernenten Dr. Heinz Rethage

am 17.09.2003 um 21.00 Uhr im Luna-Club

 

Sehr geehrter Herr Böcker, meine Damen und Herren, liebe Jazzfreunde,

im Namen der Landeshauptstadt Kiel begrüße ich Sie zur Jubiläumsveranstaltung der Sendung „JazzHausRadio“, die seit einem Jahr vom Offenen Kanal ausgestrahlt wird.

Herr Böcker, Sie haben mit dieser Sendung eine Versorgungslücke für Jazzfreunde geschlossen. Das Programm, das Sie anbieten, enthält nicht nur Jazzmusik unterschiedlicher Ausrichtungen, sondern auch viele Informationen über Musiker, Veranstalter und Konzerte in Kiel und der Umgebung. Dass das JazzHausRadio nun schon ein Jahr existiert, spricht für Sie als Moderator und für die Qualität der Sendung. Dafür sage ich Ihnen ein herzliches Dankeschön und wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg.

Dass wir uns heute Abend nicht in dem kleinen Studio im Offenen Kanal, sondern im geräumigen Luna-Club treffen, hat mit dem Engagement des Inhabers Kai Hellebrandt zu tun, der neben Lesungen und Videoperformances auch Jazzkonzerte anbietet. Ute Pioch organisiert hier die – übrigens vom Kulturamt geförderte – Reihe „The Original Jazzclub“, die fast jeden zweiten Mittwoch stattfindet. Auch diesen beiden danke ich für ihr Engagement, das unsere Stadt kulturell ein Stück attraktiver macht.

Fördern, was es schwer hat – das ist eine Richtschnur der Kieler Kulturförderung. Sie wissen, dass ich aus dem Bereich der Wirtschaft komme, deshalb erlauben Sie mir folgenden Vergleich: Die großen Firmen leisten sich teure Entwicklungsabteilungen, in denen hochqualifizierte, zukunftsweisende Arbeit geleistet wird, die selbst jedoch keine Gewinne abwerfen. Dennoch sind diese Abteilungen für einen Konzern von höchster Bedeutung, wenn er wettbewerbsfähig bleiben will. Das heißt in der Kultur: Förderung von Sparten, die qualitativ hochwertig und innovativ sind, von der Impulse ausgehen, die aber nicht die großen Menschenmassen anziehen. Das trifft für aktuelle Kunst ebenso zu wie für Modern Jazz.

 Auch das Kulturamt der Landeshauptstadt Kiel fördert diese Musik seit vielen Jahren. Die Reihe JazZzeit im KulturForum in der Stadtgalerie ist fester Bestandteil des kulturellen Angebotes, das das Kulturamt den Kielern sowie allen Gästen der Stadt macht. Günter Hoppe (anwesend !) lädt einerseits international bekannte Jazzmusiker ein, andererseits hervorragende Gruppen aus Kiel und der Region.

Die Zeiten, in denen Gruppen grundsätzlich fixe Gagen gezahlt werden konnten, sind allerdings längst vorbei, Sie wissen, meine Damen und Herren, wie es um die städtischen Finanzen bestellt ist. Das Kulturamt unterstützt die auftretenden Bands aber ideell und organisatorisch: Ob nun Pressearbeit, Plakatierung, Eintrittskarten, Hotelzimmer, Saalbestuhlung, Bühnentechnik oder Mineralwasser in der Garderobe: Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen kümmern sich um (fast) alles.

Das JazzHausRadio kann neben den Printmedien und den lokalen Fernsehsendern helfen, genügend Publikum für die Jazzveranstaltungen zu mobilisieren. In diesem Sinne bitte ich Sie alle hier, sich weiterhin für den Jazz stark zu machen und natürlich auch Jazzveranstaltungen zu besuchen.

Vielen Dank.

 

 

 

 

 

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